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Hörsehbehinderte und taubblinde Kinder und Jugendliche an der LVR-Max-Ernst-Schule

An der LVR Max-Ernst-Schule wird ein besonderes Augenmerk auf hörgeschädigte Schüler mit zusätzlichen Sehbeeinträchtigungen gelegt. Die Sehbeeinträchtigung kann von einer leichten Sehschädigung bis hin zur Blindheit reichen. Die besondere Lernsituation von Schülern mit einer doppelten Sinnesbeeinträchtigung in den Bereichen des Hörens und Sehens werden in vielfältiger Weise im Schulalltag berücksichtigt.

Grundsätzlich wird jedes hörsehbehinderte/taubblinde Schüler in der Regel mit altersgleichen Schülern zusammen beschult, also nicht in gesonderten Klassen unterrichtet. Es ist Ziel, die hörsehbehinderten/taubblinden Kinder und Jugendliche in ihren kommunikativ-sprachlichen, sozial-emotionalen, kognitiven und motorischen Kompetenzen so zu fördern, dass sie in einem hohen Maße autonom handeln können und gleichzeitig Teil der Gemeinschaft sind. In ihren Klassen sollen sie vielfältige Kontakte zu den anderen Kindern und Jugendlichen bekommen und in das gemeinsame Geschehen einbezogen werden. Die Integration dieser Kinder und Jugendlichen in das allgemeine Schulleben wird grundsätzlich immer angestrebt. Deshalb spielt die Kommunikationsförderung die größte Rolle in unserer Arbeit

Um den Lernbedürfnissen jedes einzelnen hörsehgeschädigten/taubblinden Kindes und Jugendlichen gerecht zu werden, können viele Ressourcen der Schule genutzt werden. Diese werden durch spezifische Maßnahmen ergänzt.

Die LVR Max-Ernst-Schule wurde für den Unterricht mit mehrfachbehinderten, hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen gebaut. Die Ausstattung (große Klassenräume mit Nebenräumen, übersichtliche Flure, Aufzüge, eine große Sporthalle, ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden, Pflegeeinheiten, ein Snoezelenraum, ein Musikraum mit einem Klangbett) sowie die gute Beleuchtung und die farbliche Gestaltung des Gebäudes schaffen klare Rahmenbedingungen für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Die personelle Ausstattung der Schule ist mit Sonderschullehrern, Fachlehrern, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Krankenschwestern umfassend.

Der Förderraum „Sehen“ wurde ganz nach sehbehindertenspezifischen Gesichtspunkten gestaltet und kann von jeder Kollegin und jedem Kollegen der Schule für die individuelle Förderung eines hörsehbehinderten/taubblinden Kindes oder Jugendlichen genutzt werden. Er kann verdunkelt werden und verfügt über zahlreiche spezifische Fördermedien und –materialien (Leuchttisch, Kaltlichtlampen, Lupen, Montessori-Material, Computer mit Programmen zur visuellen Förderung, Magnetwände, Tastmaterial, Goldtisch...)

Die Arbeitsgruppe „Hörsehbehinderte und taubblinde Schüler an der LVR Max-Ernst-Schule“ sammelt Beiträge aus der aktuellen Literatur, bespricht diese und entwickelt hieraus ein eigenes Konzept. Sie nimmt Kontakt mit spezifischen Einrichtungen und deren Mitarbeitern auf, hospitiert in spezifischen Einrichtungen und trägt die Erfahrungen zusammen. Sie erstellt Medien und Materialien. Im Rahmen der kollegialen Fallberatung werden Fördermöglichkeiten für einzelne hörsehbehinderte/taubblinde Schüler besprochen und festgehalten.

Diagnostik spielt eine wichtige Rolle, um eine möglichst genaue Vorstellung von den Wahrnehmungs- und Entwicklungsmöglichkeiten jedes einzelnen hörsehbehinderten/taubblinden Schülers zu bekommen. Die LVR Max-Ernst-Schule verfügt über ein breites Spektrum diagnostischer Kompetenzen und umfasst die Bereiche der auditiven Diagnostik, der Entwicklungs- und Intelligenzdiagnostik, der motorischen Diagnostik sowie der Sprach- und Kommunikationsdiagnostik. Für den Bereich der visuellen Diagnostik besteht eine enge Kooperation mit der LVR Louis-Braille-Schule in Düren. Darüberhinaus werden im Rahmen der Förderdiagnostik Videoanalysen als spezifisches Diagnoseinstrument eingesetzt, um bereits erreichte Ziele zu erfassen und neue Ziele in der Förderung des hörsehbhinderten/taubblinden Schülers zu formulieren.

Die Förderung im Team ist Grundlage der Arbeit. An der Förderung eines hörsehbehinderten/taubblinden Kindes oder Jugendlichen sind immer verschiedene Fachkräfte (Sonderschullehrer, Therapeuten, Krankenschwestern, Integrationshelfer) beteiligt. Um in der Arbeit mit den betroffenen Schülern eine hohe spezifische Kompetenz aufzubauen und für den Schüler eine übersichtliche Situation zu erhalten, wird darauf geachtet, dass ein möglichst konstantes Team mit dem Schüler arbeitet.

Ein individualisierter Förderplan wird von den Fachkräften des Teams abgesprochen und bildet einen festen Rahmen für die Förderung jedes hörsehbehinderten/taubblinden Schülers. Er formuliert klare Ziele, die in kleinen Schritten und von allen an der Förderung beteiligten Personen verfolgt werden. In regelmäßigen Abständen wird überprüft, ob die Lernziele erreicht wurden und neue Lernziele formuliert werden können.

Spezifische Medien werden von den Fachkräften des Teams abgesprochen und eingesetzt, damit für das hörsehbehinderte/taubblinde Kind oder Jugendlichen eine Lernumgebung entsteht, die informativ und übersichtlich ist. Je nach den individuellen Voraussetzungen des hörsehbehinderten/taubblinden Schülers kommen tastbare Stundenpläne oder Markierungen an Objekten, Bezugsobjekte oder Bild- und Fotomaterial in spezifischer Größe oder Farbgebung zum Einsatz.

Die Sprach- und Kommunikationsförderung nimmt die zentrale Stelle in der Arbeit mit hörsehbehinderten/taubblinden Kindern und Jugendlichen ein. Wie jedes andere Kind haben auch Kinder mit einer doppelten Sinnesbehinderung ein großes Bedürfnis, sich mit ihrer Umwelt kommunikativ auseinanderzusetzen. Nur haben sie andere Voraussetzungen, um mit ihrer Umwelt in Kontakt zu treten. Auch für den Kommunikationspartner ist es schwer, die vom Kind ausgehenden Signale zu erkennen und darauf zu reagieren. Die Anbahnung und Ausgestaltung der Kommunikation ist deshalb das Herzstück in der Arbeit mit hörsehbehinderten/taubblinden Kindern und Jugendlichen. Hierbei wird das betroffene Kind oder der betroffene Jugendliche als aktiver Teilhaber im Prozess seiner Kommunikationsentwicklung gesehen. Kommunikation wird gemeinsam im Dialog erschaffen.

Ein gut beleuchteter Raum, an den Fenstern farbige Folien, auf den Tischen sehgeschädigtenspezifische Arbeitsmaterialien.
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Der Förderraum "Sehen"